Frühlingsausstellung „MODERNE KERAMIK“ von Bernd Fischer

Veröffentlicht am: 16.02.2026

Ob Bernd Fi Skulptur mit Faltoptik aus Keramtik© Jens Weyers scher als Töpfer, Keramiker oder bildender Künstler wahrgenommen wird, kommt auf den Standpunkt an. Auf Töpfermärkten sieht man ihn als Töpfer, in Keramikgalerien als Keramiker. Im Königin-Christinen-Haus in Zeven wird er sich als Künstler zeigen, der es versteht, das keramische Material so zu bearbeiten, dass seine Herkunft kaum noch zu erkennen ist: Ton, textiles Gewebe, Filz oder Papier?

Bernd Fischer wurde 1956 in Bremen geboren. Bereits als Teenager beschäftigte er sich mit Keramik. Der Besuch der Fachoberschule für Gestaltung in Bremen stellte die Weichen für die spätere künstlerische Laufbahn. Sein Studium der freien Kunst in Kassel bei Professor Ralf Busz stand in der Tradition von Walter Popp, einem der einflussreichsten Keramiker der deutschen Nachkriegsgeschichte. Diese Ausbildung prägte seine frühen Arbeiten maßgeblich. Fischer arbeitete zunächst als klassischer Gefäßkeramiker mit hoher handwerklicher Präzision, harmonisch gedrehten Formen und raffinierten Glasuren.

Um das Jahr 2007 kam es in seinem Werk zu einem grundlegenden Bruch: Fischer wandte sich von der funktionalen Gefäßkeramik und den etablierten Regeln seines Handwerks ab und suchte nach einer neuen Formensprache. Hierbei entstanden Objekte aus gerissenen, gefalteten, geknickten oder gerafften, dünn ausgewalzten Platten. Diese Arbeiten sind nicht eindeutig zuzuordnen. Sie erscheinen weder als Gefäß noch als Skulptur und lassen ihre Materialität bewusst im Unklaren. Je nach Präsentation wirken sie weich oder hart, leicht oder schwer, formbar oder starr.

Besonders auffällig sind Fischers „Faltungen“. Geformt aus Paperclay, einem Mischmaterial aus Ton und Zellstoff mit hoher Stabilität, erinnern sie an Textilien oder an Papier. Anstelle von Glasuren sind die „Faltungen“ mit dünn aufgetragener Tusche kalt eingefärbt, wobei der keramische Charakter weitgehend in den Hintergrund tritt. Diese „uncharakteristische“ Qualität, das ausloten von Grenzen ist für Bernd Fischer zentral. So arbeitet er in einem offenen, experimentellen Prozess, der nicht von vorgegebenen Formen oder Funktionen geleitet ist, sondern „vom Risiko ästhetischer Entscheidungen im Tun selbst“.

(Vgl. Walter Luckau: Disiecti membra – Ästhetische Wagnisse)

Die Ausstellung „MODERNE KERAMIK“ zeigt ausgewählte Werke des Künstlers und ist vom 01. März bis 31. Mai 2026 in der Städtischen Galerie im Königin-Christinen-Haus zu sehen. Die Galerie ist donnerstags, sonntags und an Feiertagen von 14:30 bis 17:30 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Führungen für Schulklassen sind kostenlos und können vorab per E-Mail an christinenhaus@zeven.de oder telefonisch unter der 04281-716 610 vereinbart werden. Die Mitarbeitenden des Königin-Christinen-Hauses freuen sich auf Ihren Besuch!